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  • Lisa

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I dfn fl mxy hns.s

Das war alles, was meine Finger noch zustande brachten und mir wurde genau in diesem Moment bewusst:

I'm fucked.

Es machte überhaupt keinen Sinn auch nur den Versuch zu wagen, mit der Außenwelt zu kommunizieren, die Wahrheit war so simpel wie drängend:

Ich musste von diesem scheiß Berg runter.

Meine Hände waren taub, vollkommen nutzlose Anhängsel meiner Arme, weder in der Lage dazu zu bremsen, zu schalten, noch den Satz: I don't feel my hands. in ein Handy zu tippen. Wenn nichtmal Autokorrekt dich mehr versteht, weißt du, dass du in Schwierigkeiten steckst. Warum ich nicht einfach eine Sprachnachricht aufnahm?

Ich weiß es nicht. Ich war wohl einfach nicht mehr in der Stimmung dazu.

Warum zur Hölle war ich auch mitten in der Nacht hier, immer noch viel zu nah am Gipfel des Männlichen, 2229 m über NN, bei 1°C und Regen, der sich durch meine nicht mehr sehr neue Regenjacke durcharbeitete, das Imprägnierspray was ich so eifrig noch kurz vor dem Rennen darauf verteilt hatte, ein Witz. Ich war hier, weil ich die aberwitzige Vorstellung gehabt hatte, den zweiten Checkpoint des Three Peaks Bike Race noch an diesem Abend hinter mich zu bringen, komme was da wolle. Warum? Diese Frage ist während eines unsupported bikepackingrace eigentlich immer unangebracht.

Vielleicht, weil ich zuvor schon mehrere Tausend Höhenmeter mit so wenig Schlaf überwunden hatte, dass ich irgendwie dachte, ja mei, auf einen mehr oder weniger kommts nun auch nimmer an.

Ein sehr, sehr dummer Gedanke, wie sich später herausstellen sollte.


Ich hatte mich die Große Scheidegg hochgeschoben, davor den Schweizer Autofahrern auf dem Brünigpass getrotzt und obwohl mir bis heute unerklärlich ist, wie ich diesen lebendig hinter mich bringen konnte, irgendwie hatte ich es geschafft, mich am Beginn des Aufstiegs zur großen Scheidegg zu einer Gravelpassage zu schinden, die mir dann schlussendlich den letzten Nerv raubte. Ich weiß nicht mehr, ob ich geschrien habe, definitiv habe ich geflucht, geflucht über Schweizer Wanderwege, über meine Routenplanung, über meine 25er Reifen, über die dicken Steine, über die ich mein Rad schob, über die Zeit, die mich das alles kostete. Zum Glück verscheuchte ich damit nicht das freundliche ältere Ehepaar mit Schweizer Kennzeichen, die plötzlich hinter mir auftauchten. Sie kurbelte ein Fenster herunter, denn man sah mir meine Verlorenheit anscheinend an (oder sie hatten meine verzweifelten Flüche gehört).

„Geht's hier zu einer richtigen Straße? Oder bleibt das so?“ , fragte ich in ihr gütig lächelndes Gesicht.

„Jaja, ist nicht mehr weit, da hinten ist's wieder asphaltiert. Da ist auch nicht viel Verkehr, nur auf den Postbus musst du achten.“

Aufmunternd nickten die beiden mir zu und fuhren langsam weiter. Ich freute mich auf die Straße, voller neuer Energie schob ich mein Rad die letzten hundert Meter bis zum ersehnten Asphalt.

Meine Freude hielt nur wenige Momente, denn die Straße war zwar in keinem schlechten Zustand, aber so schmal und steil, dass an zügiges Vorankommen nicht zu denken war.

Während eines Rennens mit ähnlichem Bergfaktor wie dem Three Peaks Bike Race bekommt man manchmal den Eindruck, dass das Erreichen eines Gipfels nur die Anfahrt zum Nächsten ist, sodass man, wenn man nicht aufpasst, in einer nie enden wollenden Melange aus Angst, Agonie, Euphorie bis hin zur kompletten Abstumpfung landet.

Ich habe mal jemanden sagen hören, das Three Peaks Bike Race sei ein Einsteiger Rennen. Ich habe sehr herzlich gelacht.

Aus einer gewissen Diskrepanz zwischen Realität und Vorstellung hat sich wohl schon so mancher zu einer Einschätzung hinreißen lassen, die auf dem Sofa nach Expertise klingt, aber da draußen im Dreck, in der Kälte nur noch eins ist: Ein Witz.

Ich war also inzwischen auf Stufe 3 der Nihilismus-Skala angekommen und schob mein Fahrrad, während ich mir Story Highlights von Freunden auf Instagram ansah. Das bedeutet in der Schweiz nicht nur eine unglaubliche Verschwendung von Datenvolumen, sondern auch, dass man den hinter der nächsten Kurve herannahenden Rennteilnehmer gar nicht wahrnimmt, bis er schließlich neben einem steht. Ich war nicht in der Stimmung zu plaudern und obwohl ich mich eigentlich immer sehr gefreut hatte, anderen Teilnehmer während des Rennens zu begegnen, so bedeutete es in diesem Fall schließlich auch, dass mich jemand eingeholt hatte. Dieser jemand war Matthias und ich weiß bis heute nicht, wie er es geschafft hat, aber plötzlich wich meine miese Laune neuem Optimismus. Mit ihm ein Weilchen zu plaudern, gab mir die nötige Kraft zurück, mich nicht mehr nur schiebend voranzubewegen, ich begann, einzelne weniger steile Abschnitte wieder zu fahren, ja tatsächlich, ein Wunder war geschehen. Sei es meinem leicht prolligen Show-off Charakter geschuldet, der manchmal mit mir etwas durchgeht, sei es, weil Matthias einfach jemand ist, der es mit seiner freundlichen, ehrlichen Art schafft, jedem noch so zerknirschten, übermüdeten Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Wir begegneten uns im Laufe des Aufstiegs immer wieder, ein letztes Mal für den Tag, als er bereits den Gipfel hinter sich gelassen hatte, ich noch im Aufstieg, grade dabei mein Rad auf eine seitliche Parkbucht zu schieben, um auf der steilen schmalen Straße nicht beim Versuch loszufahren, umzukippen.

Es wurde langsam dunkel.

„Ist es noch weit?
Wie schlimm wird es?“
Ein Blick in Matthias Gesicht war genug, obwohl wir uns nicht lange kannten. Ich lachte und wusste, dass ich es ganz sicher bereuen würde, da hochzufahren.

An viel erinnere ich mich nicht mehr, was den Aufstieg betrifft. Ich weiß, dass es dunkel war, als ich oben ankam, bis auf ein Licht in einem Haus, vermutlich ein Hotel. All meine Hoffnung stützte sich zu diesem Zeitpunkt auf das Licht in diesem Haus, ich dachte ok, ich schieb jetzt noch schnell die Gravelpassage hoch und dann frage ich dort nach einem Zimmer oder einer Übernachtungsmöglichkeit. Ich stand schon etwas neben mir, war vollkommen übermüdet, mir war kalt, gegessen hatte ich auch schon lange nichts mehr, alles in allem gab es wenig Gründe, die für meine Entscheidung sprachen. Es war wie immer vor allem ein Grund, der mich zu einer solchen Dummheit trieb:

Absolut stursinniger Trotz.

Ich schaffte es, mein 18kg schweres Rad den schmalen Wanderpfad bis hoch zur Aussichtsplattform zu schieben, zu tragen, teilweise brauchte ich mehrere Anläufe für einen einzigen Schritt, denn die Steine waren nass und rutschig und meine Cleats nicht gerade das, was man als gutes Schuhwerk für solche Unterfangen bezeichnen würde. Ich hätte gar nicht mehr bis ganz oben gehen müssen, aber ich war mir nicht sicher. Das Einzige, was ich hundertprozentig wusste, war, dass ich auf diesen Berg nicht nicht noch einmal hoch wollte, weil mir ein paar Meter für den Checkpoint 2 fehlten. Also ging ich so lange, bis es nicht mehr weiter ging.

Oben angekommen blickte ich hinab, in einen dunklen Abgrund, in der endlosen Finsternis funkelten einige entfernte Lichter eine Dorfes. Ich war Teil des dunklen Sternenhimmels, der sich um mich webte, ein endloser Teppich aus Stille und Sternenstaub. Über dem Tal hingen Wolkenformationen, so starr wie gemalt, keine Bewegung unterbrach ihre Anmut, als würde die Welt den Atem anhalten. Niemand der nicht nachts, bei Regen, kurz über dem Gefrierpunkt, je allein auf einem Gipfel war, kann sich diese Stille vorstellen.


Ich hatte schon fast vergessen, verdrängt, dass ich auch noch herunter musste, die Erinnerung an das brennende Licht im Haus schien schon sehr weit weg, sehr lang her. Ich nahm mir, so dramatisch das nun klingen mag, vor, nicht zu sterben, bevor ich den Abstieg auf den rutschigen Steinen begann. Wäre ich nicht so betäubt von Kälte und Müdigkeit gewesen, hätte ich wahrscheinlich ziemlich Schiss gehabt. Als ich schließlich auf dem Plateau mit der Seilbahn ankam, war das Licht in dem Haus einer alles verschlingenden Dunkelheit gewichen. Wie hätte es auch anders sein sollen. Ich war zu müde, um mich zu bemitleiden und begann langsam, die schmale Straße hinunterzufahren. Jedoch musste ich nach wenigen Metern feststellen, was ich eigentlich durch vorangegangene Abenteuer schon wusste:

Felgenbremsen und taube Hände sind keine gute Kombination für nächtliche Abfahrten auf schmalen feuchten Schweizer Passstraßen.

Meine Hände waren mit einem Film nasser Eiseskälte überzogen, was sich wahrscheinlich richtig unangenehm angefühlt hätte, wenn ich noch einen Hauch Gefühl in den Fingern hätte aufweisen können. Meine Handschuhe hatte ich bereits auf dem Gipfel ausgezogen, da sie nicht wasserdicht waren und es mit einer vollgesogenen Hülle aus Polyester noch ungefähr 5 Grad kälter war, als ohne. Der verzweifelte Versuch, mit quasi toten Händen auf dem Gipfel eine Art morbiden Prototypen aus Tankstellenplastikhandschuhen und meinen Kurzfingerhandschuhen zu bauen, hatte sich als wenig wirkungsvoll herausgestellt und mich lediglich wertvolle Zeit gekostet. Denn nicht nur begann sich mein Hirn langsam an den Wikipedia Artikel zu Hypothermie zu erinnern, nein, es musste auch noch die unangenehme Tatsache miteinbeziehen , dass meine Handykabel alle durchweicht waren und das Aufladen somit unmöglich. Ich hatte gewusst, dass meine Restrap Rahmentasche nicht wirklich wasserdicht war, hatte aber irgendwie mehr von den Plastiktüten erwartet, in die ich meine Kabel alle fein säuberlich eingewickelt hatte. Mein Handy war bei 20%, was nicht viel ist, wenn man vorhat, einen Berg mit 7% Durchschnittsgefälle herunter zu schieben, um anschließend ein Hotelzimmer zu finden. All das zu einer Uhrzeit, zu der das Wort „24h Rezeption“ alles ist, was man hören will.

Also weiterschieben. Ja, richtig, schieben. Fahren war nicht mehr möglich, da meine Hände nicht mehr in der Lage waren, zu bremsen, mein Körper dermaßen müde und taub, dass ich nicht auf mein Fahrrad steigen konnte. Ich finde es selbst schwer, das heute noch nachzuvollziehen, aber ich konnte mein Bein nicht über das Oberrohr schwingen, auch nicht hintenrum über das Hinterrad, es ging einfach gar nichts mehr. Resigniert schob ich weiter, im Wissen, dass ein paar Menschen gerade meinen GPS Punkt auf einer Karte verfolgten und sich wahrscheinlich fragten, ob ich nun völlig durchgedreht war und ein Instagram Q&A vorbereite, oder warum zur Hölle ich so verdammt langsam den Berg herunterkam.

Irgendwie schaffte ich es, die beschissenste Routenoption zu wählen und schob mich langsam, wie ich dachte, Richtung Grindelwald. Das wäre der nächstgelegen größere Ort gewesen und zu diesem Zeitpunkt meine einzige Option auf ein Hotelzimmer. Ich glaube es war mitten in einem 25% Gefälle, als ich feststellte, dass ich mich idiotischerweise für den nächsten Abschnitt meiner TPBR Route entschieden hatte, die selbstverständlich nach dem CP2 von Grindelwald wegführte. Es war absolut keine Option die 25% wieder hochzuschieben, deswegen heulte ich mich den schmalen Weg hinunter, verfluchte mich und die Welt, bis ich schließlich auf der Straße ankam, die nach Grindelwald führte. Mein Telefon war inzwischen bei 12%, was verdammt wenig ist, wenn man taube Hände, eine beginnende Hypothermie, durchweichte Klamotten, ein 6 Jahre altes Handy mit einem 6 Jahre alten Akku, sowie keinen blassen Schimmer hat, wie man um 00:30 Uhr noch ein Hotelzimmer bekommen soll. Ich wusste, ich muss aus den Sachen raus, ich muss ins Warme, alles andere wäre nicht nur unangenehm, sondern eventuell sogar gefährlich. Die Außentemperatur war zwar im Tal deutlich freundlicher als oben auf dem Gipfel, aber bei weitem nicht warm genug, um meinen ausgekühlten Körper genügend aufzuwärmen. Hätte ich nicht eine Daunenjacke gehabt, die ich mir in einem Anflug von vorausblickender Sorge nach einem Blick auf die Wetterkarte unterwegs gekauft hatte, ich weiß nicht, wie die Geschichte ausgegangen wäre.

Irgendwie schaffte ich es, nach einem Hotel zu googeln und entschied mich mit dem Wagemut der Verzweiflung für das nächstbeste, was noch Zimmer zu haben schien.

Sowas kann bekanntermaßen in der Schweiz ziemlich teuer werden, aber nun war nicht der Moment, über Geld nachzudenken. Ich buchte ein Zimmer, ohne zu wissen, ob es überhaupt noch möglich war einzuchecken, dafür hatte ich keine Zeit, mein Hirn war sowieso schon fast genauso benommen wie meine Hände und erwies sich als fast ebenso nutzlos. Es reichte zum Glück noch dazu, mein Ziel in Google einzugeben, mir die Adresse und Route so gut wie möglich einzuprägen und die verbliebenen 4 km mit leichter Steigung hochzufahren. Die Aussicht auf eine warme Dusche und ein trockenes Zimmer ließen meinen Körper wieder erinnern, wie man auf ein Fahrrad steigt und sogar in die Pedale tritt.


Als ich am Hotel ankam, schwante mir Böses. Es war komplett dunkel, nur ein kleines Licht, das ich durch die Glastür im hinteren Bereich der Lobby erspähen konnte, ließ ein wenig Hoffnung zu.

Ich klingelte. Nichts rührte sich. Ich klopfte. Nichts.

Ich fummelte nervös an meinem Handy herum, versuchte herauszufinden, ob es irgendeine Telefonnummer gab, als plötzlich ein Kopf hinter der Scheibe auftauchte. Ein freundlich aussehender Herr, der ein wenig verwundert dreinblickte, öffnete mir die Tür und ohne lange zu zögern, noch während er versuchte herauszufinden, wer ich war und warum in aller Welt ich anscheinend meine Fahrradtour ziemlich schlecht geplant hatte, schob ich mich und mein Rad in die Eingangshalle. Niemand, wirklich niemand, vielleicht ein Sondereinsatzkommando, aber sonst niemand, hätte mich da wieder rausbekommen.

Zivilisation! Teppichboden! Wärme, das heimelige Gefühl, wenn irgendwo in der Zimmerecke ein Licht brennt und eine Decke, die verhindert, dass es rein regnet.
Unglaublich, wie sehr man das plötzlich zu schätzen weiß.

Selig vor Glück wartete ich gemeinsam mit dem freundlichen Herrn auf den Aufzug. Er half mir sogar ganz ohne Murren, mein Fahrrad in den eigentlich viel zu kleinen Aufzug zu quetschen und fragte lächelnd nach meiner Zimmernummer.

Verwirrt gab ich ihm zu verstehen, dass ich grade erst gebucht hatte und noch gar keine Zimmernummer habe. Wie, keine Zimmernummer, grade gebucht? Der freundliche Herr bekam Sorgenfalten und meine Seligkeit wich einer unguten Mischung aus Angst und drohender Ohnmacht. Ich versuchte, freundlich zu bleiben, aber es fiel mir schwer, denn ich sah meine zivilisatorischen Errungenschaften plötzlich schwinden, der Teppich, die Wärme, die Dusche, all das schien nun wieder gegen eine Nacht in einer Bushaltestelle eingetauscht zu werden. Nach langem Hin und Her fand der immer noch unglaublich freundliche Nachtportier meine Buchung in einem System, in dem er eigentlich gar nicht befugt war, etwas nachzuschauen. Er tat es trotzdem, denn er sah meine Not. Als er mir den Stift zum Ausfüllen meiner Daten reichte, sagte er:

„Sie haben wirklich großes Glück gehabt, ich war eigentlich schon auf dem Weg nach Hause. Ich bin nur noch schnell meine Jacke holen gewesen. Eigentlich habe ich schon Feierabend."

Er sagte das ganz ohne Vorwurf, und ich war sprachlos vor Glück. Wäre ich nicht so furchtbar nass, dreckig und stinkend gewesen, hätte ich ihn umarmt. Mit meinen letzten 4% Akku textete ich einem besorgten Freund und mit meinen letzten 2% aktiver Gehirnzellen dachte ich sogar noch daran, nach etwas Essen zu fragen.

„Okay, ich schau mal, was möchten Sie denn? Es ist eigentlich so, dass es jetzt nichts mehr gibt, aber ich kann da vielleicht was machen. Warten Sie. Oder, gehen Sie schon ins Zimmer. Aber Sie dürfen niemandem sagen, dass ich Ihnen etwas zu Essen gebracht habe, ok? Das darf ich eigentlich nicht.“

Immer noch perplex ob all der wunderbaren Fügungen stakste ich zu meinem Zimmer, stellte mein Fahrrad in die Ecke und legte mich mitsamt meiner nassen Sachen auf den Boden.

Nach einer Weile klopfte es. Es war der Nachtportier, mit einem Teller in der Hand, darauf das wohl beste Sandwich, das ich in meinem Leben jemals gegessen habe und wohl je essen werde. 3 Scheiben Toast, dazwischen 3cm Käse und Schinken. Eine Fanta hatte er auch noch mitgebracht, die er mir mit einem verschmitzten Lächeln überreichte und noch einmal bat, ihn nicht zu verpfeiffen.


Nun begann die Herausforderung, nicht in den nassen Sachen und ohne vorher zu essen einzuschlafen. Ich ließ mir ein Bad ein. Jawohl, ein Bad, in einer Badewanne, mein Glück schien einfach unerschöpflich. Bis das Wasser eingelaufen war, hatte ich es sogar geschafft, doch noch ein trockenes Handyladekabel ganz unten in meiner Framebag zu finden, mein Handy anzuschließen und besorgten Freunden ein Lebenszeichen zu schicken. Während ich mich aus meinen nassen Sachen schälte, fiel mein Blick auf die Schlüsselkarte und das dazugehörige Pappkärtchen. Ich hatte es beim Betreten des Zimmers gar nicht wahrgenommen. Meine Zimmernummer war die 42.

Jeder, der „Per Anhalter durch die Galaxis“ kennt, wird wohl verstehen, was mir durch den Kopf schoss. Allen anderen sei das Buch wärmstens empfohlen.


Ich lachte. Wie sollte es auch anders sein.


Als ich schließlich in der Badewanne mein illegales Sandwich kaute und mir immer wieder die Augen zufielen, dachte ich immer nur an diese Zahl. What the fuck. Was soll das nun bedeuten, dachte ich. Ist hier der Sinn des Lebens, in diesem Zimmer, in dieser Geschichte? Oder gab es am Ende gar keinen Sinn, genauso, wie die beliebig gewählte Zahl, die sich einst ein talentierter Schriftsteller zuhilfe nahm, um die zutiefst zufällige Natur dieser Sache zu verdeutlichen, dem Sinn des Lebens, des Universums und dem ganzen Rest.


Ich starrte in die Schaumblasen auf meine tauben Zehen.

Mein Hirn war zu müde für tiefsinnige Gedanken über den Sinn des Lebens.


Ach, was solls, dachte ich, trank einen Schluck kalte Fanta und schlief in der Badewanne ein.






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